Tei­len

Wie kön­nen Rück­mel­dun­gen von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten zu kon­kre­ten Ver­bes­se­run­gen im Kran­ken­haus bei­tra­gen? Und wel­che Rol­le spie­len dabei unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­für­spra­che, Beschwer­de­ma­nage­ment und Qua­li­täts­ma­nage­ment?

Die­se Fra­gen stan­den am 22. und 23. Okto­ber 2026 im Mit­tel­punkt des BPiK-Sym­po­si­ums „Pati­en­ten­be­tei­li­gung als Erfolgs­fak­tor für Kran­ken­häu­ser“ im kbo-Isar-Amper-Kli­ni­kum in Haar bei Mün­chen. Zwei Tage lang dis­ku­tier­ten Pati­en­ten­für­spre­chen­de sowie Fach­leu­te aus Beschwer­de- und Qua­li­täts­ma­nage­ment vor Ort und online über Zusam­men­ar­beit, not­wen­di­ge Rah­men­be­din­gun­gen und die Bedeu­tung der Pati­en­ten­per­spek­ti­ve für die Ver­sor­gungs­qua­li­tät.

Pati­en­ten­für­spra­che als unab­hän­gi­ge Stim­me im Kran­ken­haus

Zum Auf­takt begrüß­te Nico­las von Oppen, Geschäfts­füh­rer des kbo-Isar-Amper-Kli­ni­kums Regi­on Mün­chen, die Teil­neh­men­den. Für den BPiK eröff­ne­ten der 1. Vor­sit­zen­de Det­lef Schliff­ke und der 2. Vor­sit­zen­de Heinz Wam­ser die Ver­an­stal­tung. Wam­ser ist zugleich Pati­en­ten­für­spre­cher am gast­ge­ben­den Kli­ni­kum. Mat­thi­as Bäu­er­lein, 1. Vor­sit­zen­der des Bun­des­ver­bands Beschwer­de­ma­nage­ment für Gesund­heits­ein­rich­tun­gen (BBfG), sprach für das Lob- und Beschwer­de­ma­nage­ment.

Heinz Wamser am Rednerpult, im Tagungsraum Teilnehmende und Leinwand mit Folie zu Patientenfürsprache und Beschwerdemanagement
Gast­ge­ber und Gestal­ter: Heinz Wam­ser, 2. Vor­sit­zen­der des BPiK und Pati­en­ten­für­spre­cher am kbo-Isar-Amper-Kli­ni­kum, stell­te das Zusam­men­spiel von Pati­en­ten­für­spra­che und Beschwer­de­ma­nage­ment vor. Ohne sein Enga­ge­ment wäre das Sym­po­si­um nicht mög­lich gewe­sen. Foto: BPiK

Per Video­bot­schaft wand­ten sich außer­dem Tho­mas Zöl­ler, Pati­en­ten- und Pfle­ge­be­auf­trag­ter der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung, sowie Tho­mas Schwar­zen­ber­ger, Bezirks­tags­prä­si­dent von Ober­bay­ern, an die Teil­neh­men­den.

Bereits zum Auf­takt wur­de ein zen­tra­ler Gedan­ke deut­lich: Pati­en­ten­für­spra­che und Beschwer­de­ma­nage­ment ver­fol­gen gemein­sa­me Zie­le, erfül­len aber unter­schied­li­che Auf­ga­ben. Die Unab­hän­gig­keit der Pati­en­ten­für­spra­che ermög­licht es, auch Anlie­gen auf­zu­neh­men, die inner­halb der regu­lä­ren Kli­nik­struk­tu­ren mög­li­cher­wei­se nur schwer Gehör fin­den. Ihre Wir­kung ent­fal­tet sie zugleich durch eine ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit mit Beschwer­de- und Qua­li­täts­ma­nage­ment sowie der Kli­nik­lei­tung.

Nicolas von Oppen eröffnet das BPiK-Symposium am Rednerpult, auf der Leinwand die Titelfolie
Herz­lich will­kom­men in Haar: Nico­las von Oppen, Geschäfts­füh­rer des kbo-Isar-Amper-Kli­ni­kums Regi­on Mün­chen, eröff­net das BPiK-Sym­po­si­um ‚Pati­en­ten­be­tei­li­gung als Erfolgs­fak­tor für Kran­ken­häu­ser‘. Foto: BPiK

Zusam­men­ar­beit braucht kla­re Rol­len

Wie die­ses Zusam­men­spiel gelin­gen kann, erläu­ter­te Mat­thi­as Bäu­er­lein in sei­nem Impuls „Pati­en­ten­für­spra­che und Beschwer­de­ma­nage­ment – zwei Wege, ein Ziel“. Ent­schei­dend sei­en kla­re Zustän­dig­kei­ten, gegen­sei­ti­ges Ver­trau­en und ver­läss­li­che Wege für die Wei­ter­ga­be von Anlie­gen. Beschwer­den und Rück­mel­dun­gen sei­en dabei nicht nur ein­zel­ne Kon­flikt­fäl­le, son­dern könn­ten wich­ti­ge Hin­wei­se auf struk­tu­rel­le Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten lie­fern.

Heinz Wam­ser ergänz­te die­se Per­spek­ti­ve um Erfah­run­gen aus sei­ner ehren­amt­li­chen Tätig­keit als Pati­en­ten­für­spre­cher in Haar. Im Mit­tel­punkt stand ins­be­son­de­re die Fra­ge, wel­che Men­schen und Anlie­gen ohne eine unab­hän­gi­ge, nied­rig­schwel­li­ge Anlauf­stel­le mög­li­cher­wei­se nicht erreicht wür­den.

Matthias Bäuerlein stellt die BBfG-Leitlinie mit ihren vier Bausteinen vor
Vier Bau­stei­ne für ein gutes Mit­ein­an­der: Mat­thi­as Bäu­er­lein, 1. Vor­sit­zen­der des BBfG, stellt die Leit­li­nie zur Zusam­men­ar­beit von Pati­en­ten­für­spra­che und Beschwer­de­ma­nage­ment vor. Foto: BPiK

Pati­en­ten­be­tei­li­gung in schwie­ri­gen Ver­sor­gungs­si­tua­tio­nen

Im anschlie­ßen­den Fach­pa­nel dis­ku­tier­ten Max Lukas, Lei­ter Qua­li­täts- und Pro­jekt­ma­nage­ment am kbo-Isar-Amper-Kli­ni­kum, die Beschwer­de­be­auf­trag­te Mari­am Bich­ler, Heinz Wam­ser und Mat­thi­as Bäu­er­lein unter der Mode­ra­ti­on von Hajo Neu über Pati­en­ten­be­tei­li­gung in vul­ner­ablen Ver­sor­gungs­si­tua­tio­nen.

Am Bei­spiel der psych­ia­tri­schen Ver­sor­gung wur­de deut­lich, wie wich­tig Ver­trau­en, per­sön­li­che Anspra­che und ver­läss­li­che Zugän­ge sind – ins­be­son­de­re dann, wenn Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ihre Anlie­gen nur schwer selbst for­mu­lie­ren kön­nen.

Wei­te­re The­men waren die emo­tio­na­le Belas­tung ehren­amt­li­cher Pati­en­ten­für­spre­chen­der und die Bedeu­tung von Super­vi­si­on und Fort­bil­dung. Auch der Ein­satz Künst­li­cher Intel­li­genz in der Beschwer­de­be­ar­bei­tung wur­de dis­ku­tiert: Sie kann bei der Bear­bei­tung unter­stüt­zen, mensch­li­che Erfah­rung und per­sön­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on jedoch nicht erset­zen.

Work­shops: Was Pati­en­ten­für­spra­che wirk­sam macht

In zwei Work­shops beschäf­tig­ten sich die Teil­neh­men­den mit der Zusam­men­ar­beit zwi­schen Pati­en­ten­für­spra­che, Beschwer­de- und Qua­li­täts­ma­nage­ment sowie den Anfor­de­run­gen und Belas­tun­gen des Ehren­amts.

Dabei kris­tal­li­sier­ten sich zen­tra­le Hand­lungs­fel­der her­aus: Pati­en­ten­für­spra­che muss im Kran­ken­haus sicht­bar, nied­rig­schwel­lig erreich­bar und orga­ni­sa­to­risch gut ein­ge­bun­den sein. Dazu gehö­ren kla­re Ansprech­part­ner und Berichts­we­ge, geeig­ne­te Räum­lich­kei­ten, tech­ni­sche Aus­stat­tung und eine ein­deu­ti­ge Beschrei­bung von Auf­ga­ben und Zustän­dig­kei­ten.

Teilnehmende im Workshop beim gemeinsamen Erarbeiten von Ideen für die Zusammenarbeit
Gemein­sam Lösun­gen erar­bei­tet: Im Work­shop sam­mel­ten Pati­en­ten­für­spre­chen­de sowie Mit­ar­bei­ten­de aus Beschwer­de- und Qua­li­täts­ma­nage­ment Ideen für eine wirk­sa­me Zusam­men­ar­beit. Foto: BPiK

Eben­so wich­tig sind Fort­bil­dung, Super­vi­si­on und der regel­mä­ßi­ge Aus­tausch mit ande­ren Pati­en­ten­für­spre­chen­den. Einig­keit bestand dar­in, dass die Zusam­men­ar­beit mit Beschwer­de- und Qua­li­täts­ma­nage­ment gestärkt wer­den soll­te, ohne die Unab­hän­gig­keit der Pati­en­ten­für­spra­che ein­zu­schrän­ken.

Der ers­te Sym­po­si­ums­tag ende­te mit einer Füh­rung durch das Kli­ni­kum und einem Besuch des Psych­ia­trie-Muse­ums. Beim anschlie­ßen­den gemein­sa­men Abend blieb Raum für per­sön­li­chen Aus­tausch und bun­des­wei­te Ver­net­zung.

Award Pati­en­ten­dia­log 2026

Der zwei­te Ver­an­stal­tungs­tag begann mit der Ver­lei­hung des Award Pati­en­ten­dia­log 2026. Unter dem Mot­to „Empowe­ring Pati­ents – Con­nec­ting Care“ wür­di­gen BPiK und BBfG Pro­jek­te, die Pati­en­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on, Betei­li­gung und Pati­en­ten­si­cher­heit stär­ken.

Den ers­ten Platz erhielt die DRF Luft­ret­tung mit ihrem Pro­jekt „Kom­mu­ni­ka­ti­on und Pati­en­ten­si­cher­heit in der Luft­ret­tung“.

Vom Sym­po­si­um zum „Haa­rer Impuls“

Aus den Dis­kus­sio­nen und Arbeits­er­geb­nis­sen ent­wi­ckelt der BPiK nun den „Haa­rer Impuls“. Dar­in sol­len zen­tra­le Vor­aus­set­zun­gen für eine wirk­sa­me Pati­en­ten­für­spra­che gebün­delt und kon­kre­te Ent­wick­lungs­fel­der beschrie­ben wer­den. Ziel ist es, Kran­ken­häu­sern, Pati­en­ten­für­spre­chen­den und wei­te­ren Ver­ant­wort­li­chen im Gesund­heits­we­sen Ori­en­tie­rung für die Wei­ter­ent­wick­lung der Pati­en­ten­für­spra­che zu geben.

Mit­glie­der­ver­samm­lung: Vor­stand bestä­tigt und wich­ti­ge Wei­chen für die Zukunft gestellt

Im Anschluss an das Sym­po­si­um fand am 23. Okto­ber die Mit­glie­der­ver­samm­lung des BPiK statt. Neben den Vor­stands­wah­len stand ins­be­son­de­re eine umfas­sen­de Neu­fas­sung der Ver­eins­sat­zung auf der Tages­ord­nung.

Die Mit­glie­der­ver­samm­lung bestä­tig­te den bis­he­ri­gen Vor­stand ein­stim­mig im Amt. Dem Vor­stand gehö­ren Det­lef Schliff­ke als 1. Vor­sit­zen­der, Heinz Wam­ser als 2. Vor­sit­zen­der und Bir­git Hagen als Schatz­meis­te­rin sowie die Bei­sit­zen­den Maria Son­der­mann, Bri­git­te Thiel und Heinz Loest an. Mit Cars­ten Dum­mann, Bir­git Man­gold und San­dra Roth wur­de der Vor­stand um drei wei­te­re Bei­sit­zen­de erwei­tert.

Mit der beschlos­se­nen Sat­zungs­neu­fas­sung schafft der BPiK zugleich die orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­aus­set­zun­gen für eine stär­ke­re bun­des­wei­te Ver­net­zung und zeit­ge­mä­ße Ver­bands­ar­beit. Künf­tig kön­nen Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen nicht nur in Prä­senz, son­dern auch hybrid oder voll­stän­dig digi­tal statt­fin­den. Damit wird die Betei­li­gung von Mit­glie­dern aus allen Bun­des­län­dern erleich­tert, ohne dass für jede Ver­samm­lung eine per­sön­li­che Anrei­se erfor­der­lich ist.

Eine beson­ders wich­ti­ge Neue­rung ist die vor­ge­se­he­ne Regio­nal­struk­tur mit Lan­des­grup­pen und einem Regio­nal­rat. Sie soll den Aus­tausch zwi­schen Pati­en­ten­für­spre­chen­den inner­halb der Bun­des­län­der för­dern und regio­na­le Erfah­run­gen sys­te­ma­ti­scher in die Arbeit des Bun­des­ver­ban­des ein­brin­gen. Das ist auch des­halb bedeut­sam, weil die recht­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen der Pati­en­ten­für­spra­che von Bun­des­land zu Bun­des­land unter­schied­lich sind.

Die Lan­des­grup­pen kön­nen künf­tig eige­ne Lan­des­be­auf­trag­te wäh­len, die gemein­sam den Regio­nal­rat bil­den. Des­sen Vor­sitz wird zugleich stimm­be­rech­tigt im Bun­des­vor­stand ver­tre­ten sein. So sol­len regio­na­le Anlie­gen auf Bun­des­ebe­ne stär­ker berück­sich­tigt und zugleich gemein­sa­me Stan­dards für die Pati­en­ten­für­spra­che wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den.

Die neue Sat­zung tritt mit ihrer Ein­tra­gung in das Ver­eins­re­gis­ter in Kraft.

Der BPiK dankt dem kbo-Isar-Amper-Kli­ni­kum für die Gast­freund­schaft und Unter­stüt­zung sowie allen Mit­wir­ken­den und Teil­neh­men­den vor Ort und online.

Das Sym­po­si­um in Haar hat gezeigt: Ent­schei­dend für wirk­sa­me Pati­en­ten­be­tei­li­gung ist nicht allein, dass Anlie­gen gehört wer­den. Es kommt dar­auf an, dass aus den Erfah­run­gen von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten kon­kre­te Ver­bes­se­run­gen für die Ver­sor­gung ent­ste­hen.


Fotos: BPiK


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